Angemessenes Geläuf: Ein Bugatti Royale im Park von Monaco. Fürst Albert hat zwar keinen dieser 40-Millionen-Schätze, aber er fährt gerne mal mit, wenn die Führung des Museums in Mulhouse ihn mit Ettores Coupé-Version besucht. Dieser hier ist auch im Elsass immatrikuliert. An der 67 auf dem Nummernschild erkennt man das Departement Bas Rhin. Übrigens: 200km/h können die Royales von Ettore heutzutage immer noch.
Foto: Benny Sutton/istock
Es gibt Zeitgenossen, die der Fastfood-Linie mit vollem Herzen anhängen. Frittierte Fleischklöpse zwischen zwei Brötchenhälften Marke extra-soft, manchmal garniert mit einer Scheibe Käse oder einem Hauch Salat. Dazu gerne zuckersüße Softgetränke mit amerikanischen Markennamen. Die Krönung des Fastfood-Traums ist für manche der Fleischklops namens „Royale“. Wieder zwei Soft-Hälften, turmhoch belegt und Maulsperren-verdächtig. Wohl bekomm´s ! Ein anderer Royale sorgt beim Anblick ebenfalls für abklappende Kiefer und Speichelfluß: Nein, nicht Prinz August von H. , gewiss nicht. Eher ein B. Royale aus dem elsässischen Molsheim. Gestatten, Bugatti Royale, von 1929 bis 1935 höchster europäischer Fahrzeugadel. 6m bis 6, 50m Länge, 8 Zylinder, irgendetwas mit 250 PS. 200 km/h Spitze! 1929! Dem Handarbeiter bei Bugatti seinerzeit auf seinem Fahrrad kam er sicherlich vor wie etwas aus einer ganz anderen Welt. Und heute?
Der Schreiberling steht beim Bugatti-Treffen in Molsheim vor dem Royale und denkt – eigentlich gar nichts mehr. Die schiere Präsenz dieses Dampfers benebelt noch heute die Sinne. Der Schah von Persien erhielt einen Royale zur Hochzeit. Ob er mehr vom Royale oder von seiner schönen Braut benebelt war, ist nicht überliefert. Er dürfte in jedem Falle royal flaniert haben im Royale – und huldvoll gewunken haben. 
Aus dem Schleswig-Holsteinischen Kreis Pinneberg hat ein Fan diesen 35B zum jährlichen Treffen der Enthousiastes Bugatti Alsace in Molsheim mitgebracht. Das "Course Bleu" französischer Wettbewerbsfahrzeuge geht angeblich auf Bugatti zurück.
Foto: Oldtimerreporter.Müller
Der Bugatti 35 B ist eher weniger ein freundliches Winke-Winke-Auto. Bugatti-Blau, etwas ölverschmiert steht er da, die harte Federung liegt offen zur Schau. Luxus ohne Komfort, Sport, Sport, Sport. Der Schreiberling denkt sich in die 30er –Jahre hinein… Rennfahrer kurbeln auf harten Strecken am harten Lenkrad und haben alle Mühe, den Achtzylinder nicht an die Bäume zu lenken. Die Bugatti- Liebhaber von heute schlendern vorbei und zücken freudig den Fotoapparat. Motive gibt es genug, ganz klar. Bugatti hat nie etwas Langweiliges auf die Beine gestellt, das ist hier nicht zu übersehen. Optische Genüsse, würzige Abgase, Motorengeräusche, die süchtig machen. Unter 95 Dezibel läuft hier wenig, aber das macht keinem etwas. 
Speichenräder und Ferrari-Rot stehen dem Typ 30 -hier die Tourenwagen -Version - auch nicht schlecht. Foto: Oldtimerreporter.Müller
Auch die „Bugatti-Kompaktklasse“ kann dicke Hose: Typ 30, nur zwei Liter Hubraum, immer noch acht Zylinder. Ungefähre 3,50m Länge rennen damit wie Teufel und Hölle gleichzeitig. Zufällig verliert sich in der Nähe ein Mobylette-Mofa. Lämmchen und böser Wolf in einträchtiger Nachbarschaft, ohne Furcht vor dem Gefressenwerden. A propos klein: Zweibeinige Zwerge wuseln/knattern in Mini-Bugatti um das schlendernde Fußvolk herum. Bugatti mit Zweitakter und Elektro? Ettore Bugatti hätte höchstwahrscheinlich die Nase gerümpft, aber die Jüngsten sind glücklich damit.
Noch glücklicher sind sie sicherlich mit den Crepeständen oder den Orangina-Verkäufern rundherum. Frankreich- Klassik! Die erwachsenen Kinder erfreuen sich an Teile – und Devotionalienständen. 
Atalante heißt diese Version des Typ 57. Und wie fast alle Bugatti gab es ihn mit Aufbauten der unterschiedlichsten Karosserie-Hersteller. Seinerzeit individualisierte man sein Auto eben mit einer schicken Sonderkarosse statt - wie heute - mit billigem Plastik-Tand.
Foto: Oldtimerreporter.Müller
Laissez-faire allenthalben, selbst um den mächtigen Typ 57 Atalante herum. Das Verhältnis Motorraum: Passagierraum? Ein deutliches 7:1 für das Motorabteil. Na ja, Platz für zwei reicht doch, um Familienkutschen sollen sich andere kümmern. Wer fährt schon Citroen oder Peugeot? Eben.
Zurück zum Thema Fast-Food: FAST können sie alle, die lieben Bugatti. Als Food sind sie Genussware, hochwertig. Hat da jemand etwas von Suchtsteuer gesagt? Sie rennen, brüllen, gleiten, beglücken alle Sinne der Betrachter. Man bricht zu einer Ausfahrt auf. Die kleinsten Bugatti zuerst, zartes Gebrüll. Dann die größeren, Donnerschlag. Der erhabene Royale bleibt diesem Treiben fern. Wäre auch ein wenig ärgerlich, wenn ein profaner E-Scooter beim Royale-Flanieren das Blechkleid des Adligen onduliert… Mon dieu!
Die restliche Truppe zieht von dannen und lässt noch aus der Ferne ihr Grollen hören. Gut gebrüllt, Ettore! Der Schreiber saugt auf und schwärmt. Gibt es nicht irgendwo eine entfernte und vor allen Dingen reiche Verwandtschaft? So eine kleine Finanzspritze für den Einstieg ins Bugatti-Hobby könnte nicht schaden. Aber ach… Nun ja, solch ein Bugatti-Treffen entschädigt sehr und füllt die Sehnsüchte sehr gut. Außerdem gibt es da ja noch ein formidables Bugatti-Museum… Aber das ist eine andere Geschichte! Allez les Bugatti-bleu!
Vorwiegend zum Empfang zahlungskräftiger Kunden diente das Château Saint-Jean - der Sitz von Ettore Bugatti und seiner Familie im benachbarten Dorlisheim. Daran hat sich nichts geändert. Auch heute noch werden in dem Schlösschen Kunden empfangen und beherbergt.
Foto: Oldtimerreporter.Haehnel
Bescheiden wirkt dagegen der Eingangsbereich des historischen Werkes in Molsheim. In diesem Gebäude im ersten Stock konstruierte der Maitre seine automobilen Preziosen - und "hauste" dort auch die meiste Zeit.
Foto: Oldtimerreporter.Haehnel


